Quellenanalyse: Schritt-für-Schritt-Erklärungen


Der Student lernt zu Hause

Die Quellenanalyse ist ein klassisches Werkzeug, um Inhalte in einem historischen Kontext zu interpretieren. Dabei kann es sich unter anderem um Schriftstücke aller Art handeln. Ob du Briefe, Reden oder Postkarten einer Analyse unterziehst, das Vorgehen ist immer sehr ähnlich.


Was versteht man unter einer Quellenanalyse?

In der Regel kommt die Quellenanalyse für die Interpretation und Einordnung von historischen Schriftstücken in dem relevanten Kontext zum Einsatz. Obwohl sie auch auf Quellen angewandt werden kann, die nicht schriftlich sind, konzentrieren wir uns daher auf die Analyse von Schriftstücken.

Sie soll dazu dienen, um zum Beispiel Briefe aus einer bestimmten Epoche in das geschichtliche Geschehen einzuordnen. Auch andere Textsorten können für die Darstellung zum Einsatz kommen:

  • Zeitungsartikel
  • Politische Reden
  • Buchabschnitte
  • Gedichte
  • Postkarten

  • Aufbau einer Quellenanalyse

    Der strukturelle Aufbau der Quellenanalyse ist immer sehr ähnlich. Wichtig ist dabei, dass du eventuelle Vorgaben durch die Hochschule oder deinen Betreuer der Arbeit beachtest. Nachfolgend die klassische Struktur einer Quellenanalyse in der Übersicht:
     

    Einleitung

    Die Einleitung nennt die wichtigsten Fakten zum analysierenden Text:

  • Autor
  • Titel
  • Datum
  • Textsorte
  • Adressat
  • Quellenart
  • Thema

  • Hauptteil

    Der Hauptteil gibt den Inhalt wieder und die eigentliche Analyse. Auch die Einordnung in den historischen Kontext wird hier präsentiert.
     

    Schluss

    Der Schluss bietet eine zusammenfassende Darstellung der gewonnenen Ergebnisse und eine darauf folgende Zusammenfassung.
     

    Schritt für Schritt eine Quellenanalyse schreiben

    Eine Quellenanalyse sollte die folgenden Inhalte abdecken. Innerhalb der Oberbereiche (Einleitung, Hauptteil und Schlussteil) können die einzelnen Punkte in der Reihenfolge getauscht werden.

    1. Inhalte für die Einleitung sammeln und sortieren - neben den wichtigsten Eckdaten zum Autor und den Quellen selber können hier auch weiterführende Informationen präsentiert werden. Gibt es weitere Werke des Verfassers? Wer ist der Verfasser? Welche Grundhaltung vertritt der Verfasser?

    2. Einordnung des Verfassers - welchen zeitlichen, lokalen und persönlichen Bezug hat der Verfasser zu den relevanten Ereignissen? Wird hier über Ereignisse berichtet, die der Autor selber miterlebt hat? Schreibt er über sein Heimatland? Welches Alter hat der Verfasser zum Zeitpunkt der Ereignisse?

    3. Art der Quellen - die Quellengattung sollte möglichst präzise beschrieben werden. Handelt es sich um eine Grabinschrift oder eine Steinplatte zur Ehrung? Ist es ein offener Brief an das Parlament oder ein persönliches Schreiben an den Minister? Eine präzise Beschreibung erlaubt eine genauere Interpretation.

    4. Hauptteil / Aussage und richtiges Thema benennen – hier wird der Inhalt des Schriftstückes in einer Zusammenfassung wiedergegeben. Wird nur ein Teilabschnitt anaylsiert, sollte die Einordnung in das Gesamtwerk beschrieben werden.

    5. Textdiskussion – um den Text in den historischen Kontext zu setzen, sollten die wichtigsten W-Fragen beantwortet werden:

  • Wer wird angesprochen?
  • Was wird angesprochen?
  • Wie wird das Thema abgehandelt?

  • An dieser Stelle bietet es sich an, den Autoren und sein Gesamtwerk zu betrachten. Steht der vorliegende Text in Kontrast oder im Einklang mit seinen anderen Werken? Welche Stellung bezieht der Autor im Vergleich zu anderen Texten dieser Art aus der gleichen Epoche? Werden konkrete Ereignisse benannt, sollten diese mit den tatsächlichen Ereignissen und den geschilderten Ereignissen verglichen werden. Gibt es hier eine klare Übereinstimmung oder auch deutliche Abweichungen – sind diese Abweichungen ein mögliches Stilmittel oder schlichtweg eine Fehlinterpretation oder auch ein mangelndes Wissen vom Autor?

    Der Hauptteil dient auch dazu, eine mögliche Forschungsmeinung zu formulieren und ein eigenes Interpretationskonzept zu erarbeiten. Dies kann im Vergleich zu den bestehenden Konzepten präsentiert werden.

    6. Schluss / Zusammenfassung – der Schlussteil präsentiert die Inhalte und formuliert einen möglichen Ausblick. Gibt es offene Fragen? Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen? Außerdem ist es möglich, den Text hier in einen größeren historischen Kontext zu setzen.
     

    Weitere Tipps

    Eine gute Quellenanalyse ist ohne ein bisschen Detektivarbeit nicht zu realisieren. Je mehr relevante Informationen verknüpft werden, umso besser lässt sich der Inhalt interpretieren.
     

    Persönlichen Werdegang vom Autor betrachten

    Aus welcher sozialen Schicht stammt der Autor? Welche Erziehung hat er genossen? Welche Schicksalsschläge hat der Autor erlitten? Es ist hilfreich, sich ein komplettes Bild von der Person zu machen, die den Inhalt verfasst hat – die gesammelten Informationen müssen dabei nicht detailliert genannt werden, sie helfen aber, die Motivation und Fähigkeiten vom Autor besser zu verstehen.
     

    Leitfragen formulieren

    Es ist hilfreich, im Rahmen der Einleitung eine oder mehrere Leitfragen zu formulieren, die dann in der Analyse und im Schlussteil beantwortet werden. Dies zieht einen roten Faden durch die Analyse.
     

    Struktur und Aufbau des Textes berücksichtigen

    Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form einer Quelle sind relevant. Gab es zum Zeitpunkt der Erstellung klassische Textnormen, die der Autor nicht eingehalten hat? Werden einzelne Passagen durch die Struktur optisch hervorgehoben?

    Fazit

    Eine Quellenanalyse ist ein erstklassiges Werkzeug, um Texte in einem historischen Kontext zu begreifen. Denn hier wird eine Vielzahl von Informationen miteinander verknüpft, die sich nicht allein durch den Text erschließen lassen. Ob ein Text oder auch ein Bild analysiert werden, spielt dabei keine Rolle – wichtig ist, dass ein Gesamtüberblick geschaffen wird.