Keine Angst vor Statistik im Studium!


Keine Angst vor Statistik im Studium!
Statistik ist für viele Studierende das Angstfach Nummer 1. In der Studien-, Bachelor- oder Masterarbeit lassen sich schon mit einigen einfachen Tricks Daten ganz leicht auswerten. 
 

Statistik – Was ist das?

Statistik ist nichts anderes als die Darstellung der Welt mithilfe von Daten sowie deren Auswertung. Die reine Beschreibung von Sachverhalten mit Hilfe von Zahlen wird als deskriptive oder beschreibende Statistik bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise die monatlich veröffentlichten Arbeitslosenzahlen. 

Die induktive oder schließende Statistik zieht dagegen Schlussfolgerungen von einer Teilgruppe und versucht Wahrscheinlichkeiten für Ereignisse abzuschätzen. Dazu gehören beispielsweise Hochrechnungen auf Basis von Stichproben oder Signifikanztests. Die induktive Statistik beruht stark auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung. 


Warum Statistik wichtig ist!

Statistiken gibt es bereits seit rund 5.000 Jahren, denn sie sind wichtig für unser Leben. Die meisten wissenschaftlichen Disziplinen benötigen Daten, um ihre Hypothesen zu überprüfen. Und dazu sind einige statistische Hilfsmittel eben nötig. Nicht nur im Studium, sondern auch später im Berufsleben. 

Dann erspart man sich Peinlichkeiten, wie vor kurzem im Bundestag geschehen, als eine kleine Anfrage wissen wollte, welcher Prozentsatz der Deutschen weniger verdient als das Median-Einkommen. 50 Prozent natürlich, denn genau das ist die Definition des Medians. 


Warum ist Statistik so schwer? 

Warum ist Statistik so schwer? Die Antwort lautet: Ist es gar nicht. Viele statistische Kennzahlen sind recht einfach, wie eben der Median. Er teilt eine Gruppe in zwei gleichgroße Teilgruppen. Auch hinter komplexen Formeln steckt oft eine simple Idee. Leider gelingt es nicht allen Professorinnen und Professoren, das auch so zu vermitteln. Hier helfen Online-Tutorials oder Internetseiten wie Statistikguru.de. 

Zuerst solltest du immer versuchen, eine Berechnung zu verstehen. Denn so lässt sie sich einfacher und zuverlässiger merken. Wer das Grundprinzip erkannt hat, kann auch später, wenn beispielsweise die Bachelorarbeit ansteht, schnell wieder auf das Wissen zurückgreifen. Dann reicht dafür oft ein kurzer Blick ins Lehrbuch.

Wenn es aber nicht gelingt die Funktionsweise zu verstehen, dann bleibt noch das Auswendiglernen. Viele Studierende geben stattdessen auf. Doch besser ist es, eine Formel dann wie einen Fachbegriff oder eine Vokabel einfach zu lernen.


Statistik in der Hausarbeit

Einfacher und zugleich schwieriger als der Statistik-Schein ist der Einsatz von Statistiken in der Hausarbeit. Einfacher, weil üblicherweise keine komplexen Formeln benötigt werden. Die wenigen Kennzahlen lassen sich meistens sogar in Excel oder anderen Tabellenkalkulationsprogrammen wie OpenOffice berechnen. 

Schwer ist Statistik in der Hausarbeit aber, weil es nicht reicht, einfach eine Formel anzuwenden. Die Aussage muss auch verstanden und richtig interpretiert werden. 


Wie Statistiken lügen

Es gibt viele Fälle, in denen Statistiken in der Kritik stehen. Das bekannteste Beispiel ist die Arbeitslosenstatistik. Deren Berechnungsmethode wird nämlich vom Bundestag festgelegt – und die gerade regierende Partei hat immer wieder die Kriterien zu ihren Gunsten verändert. Wenig bekannt ist allerdings, dass die Bundesagentur für Arbeit schon seit mehr als zehn Jahren eine Übersicht veröffentlich, die das wieder ausgleicht. 

Ohnehin sind offene Lügen das kleinere Problem. Schon eher sind es unbeabsichtigte Fehler oder Messungenauigkeiten. Manchmal auch eine schlampige Interpretation, wie in diesen Beispielen: 

Seit 1998 steigt die Zahl der Störche in Deutschland wieder. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren mehr Kinder geboren. Bringt also der Storch die Kinder? Nein, der Zusammenhang ist vermutlich Zufall oder es steht ein indirekter Zusammenhang dahinter. 

Frauen sterben häufiger als Männer an Herz- und Kreislauferkrankungen. Heißt das, dass sie anfälliger für diese Leiden sind? Nein, im Gegenteil. Es gibt nur sehr viel mehr alte Frauen als alte Männer – und ältere Menschen sind häufig betroffen. 


Wie Statistik richtig anwenden?

Dazu musst du das Problem durchdenken und die fragen, welche Einflussfaktoren hier wirken könnten. Der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper rät, zunächst eine Theorie aufzustellen und die dann zu überprüfen, statt einfach Daten zu erheben und dann eine Statistik zu erheben. Idealerweise werden Störfaktoren dabei bereits berücksichtig. Im Fall der Zunahme von Störchen und Kindern sagt uns schon das Vorwissen, dass es keinen direkten Zusammenhang gibt. Im Falle der Herz- und Kreislauferkrankungen könnten wir uns helfen, indem wir nur Personen gleichen Alters vergleichen. 


Welche Statistik für was?

Viele Formeln und Berechnungen werden meistens nicht verlangt. Die Berechnung von Mittelwerten, die Auswertung von Häufigkeiten und vielleicht die ein oder andere Korrelation reichen aus. All diese Berechnungen lassen sich in Excel durchführen. 

Eine große Hilfe sind Grafiken. Sie sehen nicht nur schön aus, sondern liefern oft schon einen ersten Eindruck. Liegen alle Datenwerte weit zusammen oder sind sie weit gestreut? Gibt es die typische Normalverteilung, bei der die meisten Werte in der Mitte liegen und die Kurve in beide Richtungen ähnlich verläuft. Oder ist sie – wie beispielsweise Einkommensdaten – linkssteil, steigt also zunächst stark an und läuft nach rechts hin flach aus? 
Im Großen und Ganzen sind die meisten Auswertungen auch ohne vertiefte Kenntnisse möglich. 
 

Statistik in der Bachelor- und Masterarbeit

In der Bachelor- oder Masterarbeit wird dagegen etwas mehr verlangt. Oft ist ein Signifikanztest Pflicht. Einfache Tests lassen sich auch in Excel rechnen, doch meistens benötigt man dafür ein Statistikprogramm wie R oder SPSS (siehe nächstes Kapitel). 

Das Ergebnis eines Signifikanztests wird vom Programm automatisch ausgegeben. Wichtig ist es, den richtigen Test zu wählen. Welcher Statistik Test der richtig ist, lässt sich leicht in einem Schaubild ablesen.  

Wichtig ist, dass ein signifikantes Ergebnis nicht automatisch korrekt ist – und ein nicht-signifikantes nicht immer falsch. 


Welches Statistikprogramm nutzen?

Viele Berechnungen lassen sich schon mit einem klassischen Programm zur Tabellenkalkulation auswerten. Komplexere Untersuchungen verlangen aber ein spezielle Statistik-Software. 

Weit verbreitet sind die Programme SPSS, SAS und R. SPSS und SAS sind kostenpflichtige Programme, die auf vielen Hochschulrechnern laufen und dort den Studierenden zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es Studi-Lizenzen. Beide Programme haben den Vorteil, dass sie einfach zu bedienen sind.

Dagegen ist R eine kostenlose Open-Source-Software. Das Programm hat einen riesigen Anwendungsbereich und kann gebührenfrei auf dem heimischen Rechner installiert werden, erfordert aber einiges an Wissen. Rechenoperationen können nicht per Mausklick gestartet, sondern müssen programmiert werden. Außerdem besteht die Software aus verschiedenen Paketen, die teilweise für die gleiche Rechenoperation verschiedene Befehl verwenden. 

Für eine Seminar- oder Bachelorarbeit sind deshalb SAS und SPSS die bessere Wahl, wenn man nicht anschließend mit R weiterarbeiten will. 


Woher bekomme ich Statistiken?

Üblicherweise wird von Studierenden verlangt, dass sie eigene Daten erheben. Das geht am einfachsten mit einem Fragebogen. Wer mit einem Partner kooperiert, kann aber auch von diesem Daten erhalten. In Unternehmen und Behörden lassen sich viele Prozesse leicht quantitativ auswerten, weil die meisten elektronisch erfasst werden – und die Software einen Datenabzug erlaubt. 

Daneben lässt sich aber auch auf bestehende Statistiken zugreifen. Wichtigste Datenquellen in Deutschland sind die Statistischen Ämter sowie die Bundesagentur für Arbeit. Letztere verantwortet nicht nur die Arbeitslosenzahlen, sondern auch Daten zu den Empfängern von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld 2 („Hartz IV“), zur Kurzarbeit oder zur Zahl der Beschäftigten. 

Daneben gibt es private Anbieter wie Statistik. Auch kleinere Projekte wie der statistiker-blog.de können einen Klick wert sein. 


Statistik vermeiden

Wer sich die Arbeit mit Statistiken nicht zutraut, kann auch qualitativ forschen. Dabei werden Menschen ausführlich befragt und die Ergebnisse werden weitgehend ohne die Hilfe von Statistiken ausgewertet. Allerdings sind diese Verfahren sehr aufwändig, es können nur wenige Fragebogen ausgewertet werden. Deshalb ist das Verfahren zwar gut für Pilotstudien und die Theoriefindung geeignet, aber kaum zur Überprüfung von Hypothesen. 


Fazit

Statistiken sind wichtig, egal ob in der Psychologie, der Medizin, den Wirtschaftswissenschaften oder der Klimaforschung. Deshalb solltest du dich mit dem Thema auch ernsthaft auseinandersetzen. Online-Tutorials und Internetseiten helfen dabei, wenn im Unterricht nicht alles versanden wurde. Oft reichen einfache Verfahren ohnehin aus.