Die besten Lesetechniken für jede Gelegenheit


Die besten Lesetechniken für jede Gelegenheit
Lesen ist eine Fertigkeit, die wir früh erlernen. Die Grundlage - das Decodieren von Zeichen - ist eine großartige Gehirnleistung. Kinder brauchen schon eine Weile, bis sie das Lesen nicht mehr als Anstrengung empfinden. Erwachsene können das nachempfinden, wenn sie einen sehr anspruchsvollen Text lesen. Das Decodieren klappt zwar automatisch, aber der Sinn will erarbeitet werden. Für die meisten von uns hört das Trainieren der Lesefähigkeit auf, sobald der Automatismus funktioniert. Schade. Denn jetzt könnten wir unsere Lesetechniken verfeinern. Wir wäre jetzt in der Lage je nach Textart und Ziel das entsprechende Werkzeug zu verwenden. Denn so wie wir gemeinhin lesen - nämlich mit innerer Stimme - behindern wir uns selbst.

Das Umlernen eines so vertrauten Vorgangs ist zu Beginn mühsam. Zugegeben. Es wird aber auf gar keinen Fall mühsamer sein, als das was Sie als Kind beim Lesenlernen schon geleistet haben.


Die vier besten Lesetechniken und für welche Zweck sie geeignet sind

Die vier Lesetechniken, die ich Ihnen hier vorstelle sind als Grundlage für alle Zwecke ausreichend. Außerdem lassen sie sich sehr gut miteinander kombinieren.


1) Scannen

Im Alltag scannen Sie unbewusst dauernd: Ihren e-Maileingang, Inhaltsverzeichnisse, Suchergebnisse im Internet...

Beim Scannen suchen Sie nur nach bestimmten Begriffen. Sie wollen wissen, ob der Text für Sie überhaupt relevant ist und es sich lohnt sich näher mit ihm zu beschäftigen. Alles, was für Ihre Frage unwichtig ist, ignorieren Sie. Beim Scannen hilft uns manchmal der Aufbau der Texte. Die erwähnten Beispiele sind fürs Scannen wie gemacht.

Scannen ist aber auch für andere Textsorten sinnvoll. Man muss nur mit Plan vorgehen.
  • bestimmen Sie genau, wonach Sie suchen. Welche Begriffe sind für Sie von Belang?
  • Scannen Sie lange Texte bewusst nur in Abschnitten. Kommen Ihre Begriffe nicht zu Beginn vor, ist der Text vermutlich irrelevant. Sie haben ja eine spezifische Frage und kein allgemeines Interesse.
  • In Büchern und Textem mit Inhaltsangabe: Scannen Sie zuerst nur die Inhaltsangabe. Befindet sich Ihr Suchbegriff in einer Überschrift - gehen Sie zuerst dorthin.


2) Skimming

"To Skim" heißt "abschöpfen". Beim Skimmen saugen Sie also die Essenz eines Textes ab und verschaffen sich einen groben Überblick.

Beim Skimmen sollten Sie Ihr Ziel vorab sehr gut kennen. Fragen Sie sich also:
  • wobei soll mir dieser Text helfen? Warum glaube ich, sollte ich diesen Text lesen?
  • welche Hauptgedanken und Erkenntnisse behandelt der Text?
  • welche Textstellen belegen diese Gedanken und Erkenntnisse?
  • Schlußfolgerung: ist der Text tatsächlich hilfreich für mich?
Skimmen ist sinnvoll, wenn Sie aus einer großen Menge an Artikeln (z.B. wenn Sie sich auf einen Vortrag vorbereiten, oder selbst einen Artikel schreiben), die für Sie besten auswählen wollen. Wählen Sie aus Büchern aus, würden Sie zuerst die Inhaltsangabe und den Buchrücken scannen und anschließend die interessanten Kapitel skimmen.

Skimmen ist z.B. vor Prüfungen sehr praktisch. Sie können Mitschriften und Skripten zügig so oft durchgehen, bis Sie sicher sind, dass Ihr Wissen gut verankert ist.

Skimmen ist oft ausreichend, wenn Sie schnell Basisinformationen sammeln müssen. Z.b. vor einer Besprechung.


3) Speed Reading

Speed Reading ist eine Übungssache. Das wichtigste Ziel dabei ist, die innere Stimme loszuwerden. Die innere Stimme verlangsamt uns beim Lesen. Beim Speed Reading trainiert man deshalb, nur ein paar Wörter in jeder Zeile zu fixieren. Die innere Stimme hat so keine Chance mitzusprechen. Obwohl nur jedes fünfte bis sechste Wort bewusst wahrgenommen wird (Chunken), bekommen wir den Inhalt des Textes mit. Warum? Unsere Augen nehmen automatisch auch die umgebenden Wörter wahr.

Speed Reading ist für
  • große Mengen Text
  • Fachartikel
  • Zeitungsartikel
  • Wiederholungen
die beste Lesetechnik. Sie kann mit allen anderen Lesetechniken hervorragend kombiniert werden. Allerdings: es braucht am Anfang Disziplin und Training.


4) Tiefes Lesen

Tiefes Lesen benötigt am meisten Zeit und am meisten Aufmerksamkeit. Kombinieren Sie es mit Scannen und Skimmen können Sie zumindest leere Kilometer sparen. Sie sollten vorher so sicher wie möglich sein, dass der Text für Sie lohnenswert ist.
Manchmal allerdings kann man es sich nicht aussuchen, ob man den Text nun lesen möchte oder nicht. Protokolle, Berichte müssen gelesen werden. Hier reicht es vielleicht auch zu Skimmen. Verträge und Angebote müssen aber zusätzlich auch noch gründlich gelesen werden und verstanden werden. Auch die Pflichtlektüre im Studium wird durch tiefes Lesen erarbeitet.


Beim tiefen Lesen sind aus 5 Gründen Notizen nötig.

  1. Der Text wird auf das Wesentliche kondensiert
  2. Neu Gelerntes wird mit bestehendem Wissen verbunden
  3. Eigene Schlussfolgerungen werden zusammengefasst
  4. Durch das Schreiben verfestigt sich das Gelesene
  5. Auftauchende Fragen werden festgehalten
Hier ein paar Tipps, wie Sie Notizen machen, die Ihnen wirklich was bringen.


Und was mache ich mit meiner herkömmlichen Lesetechnik?

Ja genau - eine gute Frage. Das Lesen mit innerer Stimme bleibt dem Genuss vorbehalten.