Promotion: Der harte Weg zum Doktortitel

Bei den Medizinern ist der Doktortitel obligatorisch, in anderen Fächern noch immer die Krönung einer akademischen Laufbahn. Natürlich ist ein Dr. vor dem eigenen Nachnamen ein reizvolles Ziel. Aber die Jahre als Doktorand sind harte Jahre, weil für eine Promotion du durchschnittlich vier bis fünf Jahre Zeit aufwenden musst. Je nachdem, ob du eine Stelle als Doktorand an deiner Universität ergattern konntest, sind es auch Jahre des finanziellen Verzichts. Schließlich könntest du auch schon mit beiden Beinen im Berufsleben stehen und ein festes Gehalt kassieren. Der Weg zur Promotion ist daher nicht für jeden geeignet.

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Was bedeutet eine Promotion?

Rund 195.000 Promovierende gibt es in Deutschland. Der Großteil davon sind Studierende der Mathematik und Naturwissenschaften, gefolgt von Ingenieurwissenschaftlern und Sprach- und Kulturwissenschaftlern. Sie alle haben eins gemeinsam: Halten sie bis zum Schluss durch, dürfen sie sich in Zukunft als Dr. rer. nat., Dr. phil., Dr. rer. pol., Dr. med. oder auch Ph.D bezeichnen. Ph.D ist in englischsprachigen Ländern die gängige Bezeichnung für einen erlangten Doktorgrad. Der Doktorgrad ist der höchste akademische Abschluss vor einer Habilitation.

  • Promotionsordnung und – Verfahren zur Kenntnis nehmen

Der Weg bis zum Doktortitel ist in Deutschland klar definiert. Dafür gibt es die sogenannte Promotionsordnung, die du sicher auch auf der Website deiner Hochschule findest. Diese legt die Regeln und Zulassungsvoraussetzungen für eine Promotion fest. Aktuell können deutsche Studenten nur promovieren, wenn sie bereits ein Studium mit einem Master, Magister oder Diplom abgeschlossen haben. Auch kannst du nur an einer Universität, nicht an einer Fachhochschule einen Doktortitel machen.

Den konkreten Ablauf einer Promotion regelt das Promotionsverfahren. Es definiert, welche Leistungen erbracht werden müssen, um den Doktortitel in einem bestimmten Fach zu erlangen. Der Anspruch an eine Doktorarbeit ist dabei in allen Fachbereichen gleich: Der Doktorand erbringt im Rahmen seiner Doktorarbeit seine erste selbstständige Forschungsleistung. Dabei wird er betreut durch einen „Doktorvater“ oder eine „Doktormutter“.

Wie läuft eine Promotion ab?

Der Ablauf eines Promotionsverfahrens ist in allen Disziplinen ähnlich – mit Ausnahme der Humanmedizin, weil Humanmediziner ihre Dissertation oft bereits während ihres Studiums schreiben. Der Umfang beträgt hier oft nicht mehr als 60 Seiten. Damit sind die Doktorarbeiten von Medizinern mit denen anderer Fachrichtungen kaum zu vergleichen. Investieren Medizin-Studenten rund vier Semester in ihre Dissertation, sind es in anderen Fächern vier bis fünf Jahre.

Der Ablauf einer Promotion in nicht-medizinischen Fächern erfolgt meist in diesen elf Schritten:

  1. Du entscheidest dich für ein Thema und machst dich auf die Suche nach einem Betreuer
  2. Diese zwei Aspekte gehen meist Hand in Hand. Jeder Professor hat spezielle Forschungsgebiete und nimmt nur Dissertationen an, die von diesen nicht allzu weit entfernt sind. Du suchst dir also erst mal ein Fachgebiet, das dich interessiert und sprichst dich dann mit dem passenden Professor ab, ob und zu welchem Thema eine Dissertation von ihm betreut werden könnte. Da jeder Professor nur eine bestimmte Anzahl an Doktoranden betreut, muss man oft schon im Studium positiv aufgefallen sein, um später bei einem potenziellen Betreuer punkten zu können. Auch wird man es natürlich schwer haben, wenn man in seinem vorherigen Abschlusszeugnis unterdurchschnittliche Noten hat.

  3. Du beantragst die Annahme als Doktorand
  4. Hier gibt es von Hochschule zu Hochschule unterschiedliche Formalia zu erledigen. Meist musst du beim Promotionsausschuss deiner Fakultät schriftlich einen Antrag auf Annahme als Doktorand stellen. Dafür musst du dein letztes Abschlusszeugnis, eine Vereinbarung mit deinem Betreuer und einen Lebenslauf einreichen.

  5. Du wirst für das Promotionsverfahren zugelassen
  6. Hast du alle notwendigen Dokumente eingereicht, wirst du zum Promotionsverfahren zugelassen.

  7. Du schreibst deine Dissertation
  8. Natürlich ist das Anfertigen deiner Doktorarbeit nur der Gipfel deiner Forschungsleistungen als Doktorand. Bis du mit dem Schreiben beginnst, musst du erstmal Erkenntnisse gewinnen und das ist auch der schwierigste Teil einer Promotion. Nicht wenige Doktoranden scheitern daran, dass sie auch nach Jahren intensiver Forschungstätigkeit keine handfesten Ergebnisse erzielen, die den Umfang einer Dissertation rechtfertigen.

  9. Du beantragst die Eröffnung des Promotionsverfahrens
  10. Ist dein Forschungsprojekt abgeschlossen und du hast all deine Erkenntnisse auf Papier gebracht, beantragst Du beim Promotionsausschuss die Eröffnung des Promotionsverfahrens. An manchen Hochschulen findet dieser Schritt bereits mit der Annahme als Doktorand statt. Du musst jetzt neben einigen weiteren Unterlagen (Nachweis der Annahme als Doktorand, Eidesstattliche Erklärung, Kurzfassung der Dissertation, eventuell Führungszeugnis) deine Doktorarbeit in meist sechsfacher Ausfertigung abgeben.

  11. Deine Dissertation wird geprüft
  12. Ein Erst- und ein Zweitgutachter nehmen deine Dissertation jetzt genau unter die Lupe. Der Erstgutachter ist meist dein Doktorvater beziehungsweise deine Doktormutter. Beide Gutachter entscheiden über die Annahme der Dissertation und vergeben eine Note.

  13. Die Prüfungskommission nimmt deine Doktorarbeit an
  14. Gemäß den Empfehlungen beider Gutachter muss im Anschluss auch die Prüfungskommission deine Dissertation formal annehmen.

  15. Du verteidigst deine Dissertation in einer mündlichen Prüfung
  16. Die mündliche Verteidigung der Doktorarbeit ist für viele Doktoranden eine Herausforderung. Letztendlich dient sie natürlich auch der Überprüfung, ob der Doktorand die Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe angefertigt hat. In den letzten Jahren gab es viele negative Schlagzeilen über Plagiate bei Doktorarbeiten. Da sind die Hochschulen vorsichtig geworden.

  17. Du erhältst die Druckfreigabe für deine Doktorarbeit
  18. Bevor du deine Doktorarbeit veröffentlichst, erfolgt in einem formellen Schritt noch die sogenannte Imprimatur. Das bedeutet, dass dein Gutachter bestätigt, dass er keine Änderungswünsche mehr hat und deine Arbeit jetzt gedruckt werden kann.

  19. Du veröffentlichst deine Doktorarbeit
  20. Viele Doktoranden verzichten heute auf eine teure Veröffentlichung in Buchform und publizieren ihre Doktorarbeit online. Ob das möglich ist, hängt von den Bedingungen deiner Hochschule ab. In jedem Fall musst du einige Exemplare bei deiner Fakultät abgeben.

  21. Dir wird die Doktorwürde verliehen

Nach der Veröffentlichung erhältst du deine Promotionsurkunde. Herzlichen Glückwunsch! Ab sofort darfst du einen Doktortitel führen. Welcher Titel in Zukunft deinen Nachnamen ergänzt, hängt von deinem Fachbereich ab, in dem du promoviert hast.

Was bringt dir der Doktortitel?

In erster Linie ist der Doktortitel die Voraussetzung für eine wissenschaftliche Karriere und Habilitation. Strebst du also eine Karriere als Professor oder Professorin an, kommst du an einer Promotion nicht vorbei. Ob sich der Doktortitel auch für eine nicht-akademische Karriere lohnt, ist umstritten und hängt von dem Fachgebiet ab, in dem du promovierst. Für Mathematiker und Naturwissenschaftler mit ohnehin guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zahlt sich eine Promotion oft noch finanziell aus.

Dagegen kann eine Promotion in den Geisteswissenschaften oft nachteilig sein. Viele Sprach- und Kulturwissenschaftler müssen sich nach dem Studium mangels passender Jobs, auf Stellen in Presseabteilungen, Verlagen oder im Marketing bewerben. Für solche Stellen gilt man aber als Doktorand schnell als zu verkopft und überqualifiziert. Möchtest du aber mit einem Abschluss in Kunstgeschichte später als Sachverständiger oder Kurator arbeiten, brauchst du wiederum einen Doktortitel.

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